Die philtrat ist die Zeitung der StudentInnenschaft der Philosophischen Fakultät der Universität Köln.

Fluch oder Segen?

Eine InvestorInnengruppe plant eine Mall in Ehrenfeld. Das stößt bei AnwohnerInnen und PolitikerInnen auf Widerstand. Von Nina Weinbrenner

Ein Einkaufszentrum mit einer ähnlichen Größe wie die Köln Arcaden in Kalk könnte in den nächsten Jahren in Ehrenfeld gebaut werden. Jedenfalls, wenn es nach den Wünschen der Investorengruppe Bauwens geht, die das Helios-Gelände im Herzen Ehrenfelds vor einigen Jahren gekauft hat. Das Gelände ist nach der früher dort ansässigen Elektrofirma Helios AG benannt. Doch nicht alle sind von dieser Idee begeistert. Vor allem die EinzelhändlerInnen in Ehrenfeld sehen ihre Existenzen bedroht. Aber auch die kommunalen PolitikerInnen stehen den Planungen kritisch gegenüber. Die Stadt selbst hat eine Standortanalyse in Auftrag gegeben, um die Pläne auf ihre Verträglichkeit zu prüfen.


Einmal die Robe tragen

Bei simulierten Gerichtsverhandlungen können sich Studierende vor Gericht als AnwältInnen versuchen. Mit einem Moot Court hat jetzt das Gleichstellungsbüro der Uni Köln ein besonderes Programm gestartet. Von Johanna Böttges

Nelly Spörl sieht nicht aus wie die klischeehafte Jura-Studentin. Mit ihren braunen Locken, dem knallroten Nagellack und dem luftigen Sommerrock würde sie sich gut auf einem Rockfestival machen. Doch in dieser Juniwoche hat die 21-Jährige andere Pläne: In schwarzer Robe wird sie im Gerichtssaal des Kölner Verwaltungsgerichts stehen und einen Beklagten verteidigen.


Rassismus an Unis aufdecken

In Berlin spürt die Gruppe Uniwatch diskriminierende Äußerungen an Hochschulen auf und stellt die DozentInnen zur Rede. Sie fordert Standards im Umgang mit Rassismus an Universitäten. Von Carolin Wedekind

Was hat der Begriff »Rasse« im Grundgesetz zu suchen? Und wer hat eigentlich dem ethnologischen Museum all die schönen Sachen geschenkt? Diese und weitere Fragen können Studierende derzeit an einigen schwarzen Brettern Berliner Universitäten lesen, ohne sofort die Antwort mitgeliefert zu bekommen. Die AutorInnen der Fragenkampagne wollen damit auf die Problematiken Kolonialismus und Rassismus aufmerksam machen, die auch an Hochschulen oft ignoriert werden.


Abhängen am Aachener

Eine Terrasse mit Kiosk am Aachener Weihers soll der neue Szenetreff für alle NachtschwärmerInnen werden, die sich bisher zum Ärger der AnwohnerInnen am Brüsseler Platz getroffen haben. Von Laura Reina

Viele Studierende kennen ihn sicher – den Brüsseler Platz. Und für viele, die in der Umgebung wohnen ist er ein nettes Plätzchen um abends noch FreundInnen zu treffen und das ein oder andere Bierchen zu trinken. Man kann eigene Getränke mitbringen, die es billig im Supermarkt gibt. Für die AnwohnerInnen sind diese nächtlichen und meist feucht-fröhlichen Treffen jedoch nicht so angenehm, da sie einen enormen Geräuschpegel mit sich bringen. Bei der Stadt gingen deshalb viele Beschwerden ein und eine Ausweichmöglichkeit musste her. Die Lösung war das Gelände des Aachener Weihers.


Rennen für Gleichheit

Ende Juli beginnen in Köln die achten Gay Games. Sie bieten sportlichen Wettkampf aber auch Kulturveranstaltungen. Von Anna Hölscher

Auch nach der Fussball-Weltmeisterschaft muss man die Vuvuzela nicht im Schrank verstauben lassen. In Köln findet noch in diesem Sommer ein sportliches Großereignis statt: die Gay Games. Etwa 12000 TeilnehmerInnen aus aller Welt werden zu dem Event erwartet, das eines der größten Sport- und Kulturfeste ist. Vom 31. Juli bis zum 7. August finden in und um Köln Wettkämpfe in 34 Sportarten wie Tennis, Ringen oder Synchronschwimmen statt. Das Ganze wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm aus kulturellen Veranstaltungen und Partys begleitet. Die Gay Games haben es sich zum Ziel gemacht, zu mehr Gleichheit und Verständigung beizutragen und Diskriminierung zu bekämpfen.


Linke Chance verpasst

Von Laura Reina

Die Mitglieder der Kölner Hochschulgruppe Campus:Grün waren schon einmal besser gelaunt. Kurz nach der vergangenen Wahl zum Studierendenparlament (SP) zum Beispiel. Da hatte sich herausgestellt, dass sie mit zehn Sitzen nun die zweitgrößte SP-Fraktion nach den Unabhängigen (Unabs) stellen. Eine Beteiligung am Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), den das SP wählt, schien zum Greifen nahe. Und scheiterte dann doch.


Gender in Bewegung

Gender-Themen haben unter Studierenden Konjunktur. Trotzdem muss die Genderforschung Rückschläge einstecken. Von Johanna Böttges

»Gender und Science Fiction«, »Sexuality and Gender in the Middle Ages« und »Geschichte der Männlichkeit in den USA« – von solchen Seminarthemen fühlen sich offenbar immer mehr Kölner Studierende und Lehrende angezogen. 47 »Genderspezifische Veranstaltungen« verzeichnet die gleichnamige Broschüre des Gleichstellungsbüros der Uni Köln für das laufende Semester. In den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden. »Wir können gar nicht mehr alle Veranstaltungen aufnehmen, weil der Platz in der Broschüre begrenzt ist«, sagt Monika Schoop vom Gleichstellungsbüro.


Karottendeal für’s Klima

In Köln gab es im April den ersten Carrotmob in einem Gemüseladen in Sülz. Mit gezielten Kaufaktionen wollen die AktivistInnen das Klima verbessern. Von Cornelia Wienen

Samstagmittag in Sülz. Die meisten der kleinen Läden schließen schon. Nur in einem Gemüseladen auf der Zülpicher Straße laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ein junger Mann schwenkt eine Kamera, ein anderer gibt ein Interview, eine Frau im schwarzen T-Shirt verteilt Flyer. Vorn auf dem T-Shirt leuchtet eine Karotte. Orangefarbene Luftballons, ebenfalls in Karottenform, baumeln links und rechts vom Eingang des »Obst & Gemüse Land« und ziehen die Aufmerksamkeit der PassantInnen auf sich.


Geldstrafen und Hiebe

Homosexuelle in Indonesien leiden unter Drohungen und Gewalt. Die Lage für sie hat sich zuletzt noch verschlechtert. Von Nina Weinbrenner

Es sollte die erste Konferenz für Lesben und Schwule in Indonesien werden. 150 AktivistInnen aus 16 Ländern waren in die zweitgrößte Stadt Indonesiens Surabaya gereist. Doch religiöse FundamentalistInnen verhinderten die Konferenz, indem sie die TeilnehmerInnen bedrohten und das Hotel belagerten, in dem diese ihre Workshops und Vorträge abhalten wollten.


Setzen, Sechs!

Die Fakultät hat große Löcher im Haushalt für 2010. StudierendenvertreterInnen beklagen Misswirtschaft. Von Johanna Böttges

Die Philosophische Fakultät wird im laufenden Jahr deutlich mehr Geld ausgeben, als ihr zur Verfügung steht. Das geht aus einem Dokument hervor, das der philtrat vorliegt. Danach gibt es in diesem Jahr Fehlbeträge in drei von sieben Finanztöpfen des Dekanats. Insgesamt muss die Fakultät wohl mehr als 1,1 Millionen Euro zwischenfinanzieren. Das größte Loch gibt es in dem Topf, der aus Studiengebühren gestellt wird und der Verbesserung der Lehre dienen soll: mehr als 550.000 Euro. Weitere Fehlbeträge gibt es im Ordentlichen Haushalt des Dekanats sowie bei den Personalaufwendungen. In der Engeren Fakultät (EF), dem höchsten Beschluss fassenden Gremium der Philosophischen Fakultät, soll eine Arbeitsgruppe Lösungen für den finanziellen Missstand finden.


Der Ruhrpott liegt in Köln

Gang durch die Uni XVII: Der Bergwerkstollen im Hauptgebäude. Von Hanna-Lisa Hauge

Nur ein paar Meter neben dem E-Raum im Hauptgebäude, wo Studierende vor Kaffeetassen und Salamibrötchen sitzen, beginnt sozusagen die Unterwelt. Dort befindet sich der Eingang zum Barbarastollen, einem künstlichen Bergwerkstollen im Bauch der Universität. Angemeldete Gruppen können den Stollen besichtigen. Auch am Tag des offenen Denkmals am 12. September steht er für BesucherInnen offen.


Der Landeskümmerer

Die Erfolge von Jürgen Rüttgers basierten auf einer cleveren Imagepolitik seines Teams. Mit taktischem Geschick soll es nun die CDU in NRW aus dem Umfragetief nach der Sponsoring-Affäre holen. Von Pascal Beucker

Es klang fast wie eine Verabschiedungsrede. »Mir ist heute in dieser Debatte eins wichtig«, sagte Karl-Josef Laumann kürzlich im Düsseldorfer Landtag, »dass ich in der Politik bis jetzt noch keinen Menschen kennengelernt habe, der so gradlinig und bescheiden als Politiker in Deutschland auftritt wie Jürgen Rüttgers.« Der sei einer, der »seine politische Arbeit als eine dienende Funktion für unser Land und für die Menschen begreift«, fügte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister mit getragener Stimme hinzu. Wer solch öffentlicher Ehrerbietung bedarf, dem muss es ziemlich schlecht gehen. Jürgen Rüttgers geht es ziemlich schlecht.


Rom ohne Roma

Roms Bürgermeister will tausende Roma in abgelegene Lager umquartieren – mit zweifelhafter Rechtsgrundlage. Menschenrechtsorganisationen befürchten dramatische Folgen für die Betroffenen. Von Hanna-Lisa Hauge

Mehr als 7000 Roma, die in Italiens Hauptstadt und der näheren Umgebung in teils nicht geduldeten Behelfslagern leben, droht die Zwangsumsiedlung. Sie sollen in 13 abgelegene und überwachte Großlager ausquartiert werden. Dabei haben sie keinen Einfluss darauf, in welches dieser teilweise neu errichteten Lager sie kommen. Für etwa 1200 Roma ohne Aufenthaltsrecht sind keine Plätze in den neuen Lagern vorgesehen – Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass sie nicht nur ihre bisherige Bleibe verlieren, sondern vielleicht sogar ausgewiesen werden sollen. Unter den Roma sind viele Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. In den vergangenen Jahren kamen zudem viele Roma aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten hinzu, insbesondere aus Rumänien.


Alle mögen Müsli

Linke Hochschulgruppen haben bei der Wahl zugelegt. Eine von ihnen verlor jedoch fast die Hälfte ihrer Sitze. Von Julia Groth und Laura Reina

Die grüne Hochschulgruppe Campus:Grün ist die Gewinnerin der Wahl zum Studierendenparlament (SP) vom vergangenen Dezember. Sie konnte um vier Sitze zulegen und stellt nun mit zehn Sitzen die zweitgrößte SP-Fraktion nach den Unabhängigen (Unabs). Welche Gruppen den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) stellen werden, ist allerdings noch offen.


Jetzt geht's um die Wurst

Bei den Wahlen zum Studierendenparlament konnte die Gruppe Campus:Grün stark zulegen, die Alternative Liste verlor hingegen mehrere Sitze. Für die philtrat sprach Laura Reina mit den Hochschulgruppen darüber, wie diese ihre Ergebnisse bewerten und mit wem sie möglicherweise koalieren wollen. Von Laura Reina

Die Unabhängigen

»Es ist uns gelungen, wieder mit Abstand die stärkste Fraktion im Studierendenparlament zu werden, was uns zufrieden macht und unsere erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre bestätigt. Dies ist insbesondere beim durch alle Gruppen sehr intensiv geführten Wahlkampf ein erfreuliches Ergebnis. Aktive Fachschaftsarbeit wird immer noch durch die Studierenden gewürdigt. Wir haben von den Wählerinnen und Wählern den Auftrag zur AStA-Bildung bekommen, diesem Auftrag werden wir gerne nachkommen.«


Support your local Fachschaft

Eine neue Geschäftsordnung regelt, wie die Fachschaften der Philosophischen Fakultät künftig arbeiten. So darf es etwa nur eine Fachschaft pro Fach geben. Von Anna Hölscher

Die Fachschaften der Philosophischen Fakultät haben eine neue Geschäftsordnung beschlossen. Darin ist festgeschrieben, welche Aufgaben Fachschaften haben und wodurch sie legitimiert sind. Zudem regelt die Geschäftsordnung die Aufgaben und Legitimation der Fachschaftenkonferenz (FSK), auf der alle Fachschaften der Philosophischen Fakultät mit jeweils einer Stimme unter anderen über ihre Jahresbudgets abstimmen, sowie die Aufgaben des Arbeitsausschusses der FSK, des SprecherInnenrats (SpRat). Auch Einzelheiten zur Aufstellung und Tätigkeit der FachschafterInnenliste Das Original sind darin festgelegt. Diese kandidiert bei Gremienwahlen unter anderem für den Senat, eines der höchsten Beschluss fassenden Gremien der Uni. Mit der neuen Geschäftsordnung wollen die Fachschaften ihre Arbeit besser koordinieren und transparenter machen und so letztlich die Interessen der Studierenden besser durchsetzen können.


Knutschenfür mehr Toleranz

Die Uni Köln hat die homofeindliche Professorin Edith Düsing zu einem Vortrag eingeladen. Studierende störten diesen mit kreativem Protest. Düsing gab sich uneinsichtig. Von Anna Hölscher

Bei einem Vortrag der als »Homo-Heilerin« bekannt gewordenen Philosophieprofessorin Edith Düsing an der Uni Köln kam es zu kreativen Protesten. Dazu aufgerufen hatte das Autonome Lesben- und Schwulenreferat (LUSK), da sich Düsing im Vorfeld nicht von diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen distanzieren wollte. Mehrere Hundert Studierende zeigten so im Dezember küssend und Regenbogenfahnen schwenkend ihren Unmut über Düsings Einladung an die Uni.


Der Wolf im Schafspelz

Von Hanna-Lisa Hauge

Die Aulas der Uni Köln sind nicht mehr besetzt, die ehemaligen BesetzerInnen haben ihr Lager ganz offiziell in einem Hörsaal aufgeschlagen. Rektor Axel Freimuth ruft keine PolizistInnenen mehr, sondern setzt sich mit den Studierenden an einen Tisch. Einen Monat nach dem Mitte November wieder aufgeflammten Bildungsstreik hat eine neue Phase begonnen. Statt mit Konfrontation versuchen die Beteiligten es mit Gesprächen.


Ein Heim für Zugvögel

In Gästehäusern wie dem in Dresden können Studierenden und PraktikantInnen für wenig Geld kurze Zeit wohnen. Von Max Lebsanft

Alle paar Monate muss Matthias Schakat seinen Wohnort wechseln. Dazu zwingt ihn sein Studium des Steuer- und Prüfungswesens. Auf drei Monate Theorieunterricht an der Berufsakademie Dresden folgt eine zweimonatige Praxisphase in Erfurt. An beiden Orten benötigt Schakat eine Unterkunft. In keiner der beiden Städte lohnt es sich jedoch für ihn, dauerhaft ein Zimmer zu mieten. Der 19-jährige Student könnte sich von einer Zwischenmiete zur nächsten hangeln – aber alle drei Monate auf Wohnungssuche zu gehen, ist mühselig. Zuletzt hatte Schakat jedoch Glück: Mit dem Internationalen Gästehaus besitzt Dresden eine Einrichtung, die auf Studierende wie ihn zugeschnitten ist. »Zuerst habe ich mir überlegt, ein WG-Zimmer zu nehmen und es immer wieder unter zu vermieten«, sagt der zukünftige Steuerberater. Doch dann ist er auf das Angebot des Gästehauses gestoßen – und kurze Zeit später eingezogen.


Wählen statt Wünschen

Vom 14. bis 18. Dezember wählen die Studierenden der Uni Köln ihr Parlament. Es treten zwei neue Gruppen an. Von Anna Hölscher

Seit Monaten kämpfen Studierende im Rahmen des Bildungsstreiks für mehr Mitbestimmung. Die Rechte, die sie schon haben, können sie bald wieder wahrnehmen. Mitte Dezember wird eins der wichtigsten Organe der studentischen Selbstverwaltung gewählt: das Studierendenparlament (SP oder StuPa). Zwischen dem 14. und 18. Dezember können die Kölner Studierenden an die Urnen treten und eine von neun Hochschulgruppen wählen. Das SP besteht aus 51 Mitgliedern. Es entscheidet unter anderem über den Haushalt und wählt den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Der AStA setzt sich aus dem Vorstand und verschiedenen Referaten zusammen. Es gibt unter anderem ein Referat für Finanzen, eines für Bildungspolitik und ein Sozialreferat. Die Hochschulgruppen, die für das SP kandidierenden, sind teils studentische Organisationen von Parteien und teils parteiunabhängige Gruppen. Dieses Jahr treten gleich zwei neue Hochschulgruppen an: UFO und die Guerilla Grrls.